Mittwoch, 20. Februar 2013

Knochen in der Dachrinne

Noch ein Nachtrag zum letzten Post. Diese schwarzen Gesellen können schon recht interessant sein. Hinter ihnen steckt wesentlich mehr, als man auf den ersten Blick vermutet.

Mein Gartennachbar Gerhard erzählte mir die unglaubliche Geschichte von einigen Knochen in der Dachrinne seines Häuschens. Rein zufällig fand er sie, als er Laub entfernen wollte, damit der Regen wieder ungestört abfließen konnte. Woher die wohl kommen, fragte er sich. Die Antwort jedoch ließ länger auf sich warten.



Natürlich hatte er die Knochen mit dem Laub entfernt. Doch seine Neugier war geweckt. Wochen später stieg er wieder auf die Leiter und sah in der Dachrinne nach dem rechten. Ja, und zu seiner Überraschung lagen da wieder Knochen. Zufall? Wohl kaum. Wollten ihm irgendwelche Nachbarsjungen einen Streich spielen?  Nachfragen bei den Nachbarn blieben ohne Ergebnis. Er ließ jedoch die Knochen an Ort und Stelle. Warum konnte er mir nicht sagen. Nehmen wir an, es war Intuition. Wie sich bald zeigte, lag er damit richtig.

Als er nach einer reichlichen Woche auf dem Weg zu seinen Garten war, fiel ihm auf seinem Dach ein Rabe auf. Der saß an der Dachrinne und hackte mit seinem Schnabel. Der Knochen - dachte der Mann - der Knochen hat es ihm wohl angetan. Interessant! Aufmerksam beobachtete er seinen schwarzen Gast. Misstrauisch geworden, schwang der seine Flügel, krallte den Knochen und flog davon.

War das Zufall oder ging die Geschichte weiter? Sie ging weiter. Wiederum sprach er mit der Nachbarschaft und berichtete von dem Raben und dessen Knochen. Es stellte sich heraus, daß der Rabe auch den anderen aufgefallen war. Was machte er da blos?

Gerhard ließ nicht locker und er hatte Glück. Als er eines Abends gehen wollte und schon ein gutes Stück von dem Garten entfernt war, sah er wieder seinen schwarzen Gast. Doch was war das? Diesmal hatte der wieder einen Knochen in seinen Krallen. Der Rabe landete zielstrebig auf dem Dach, sah sich gewissenhaft um und ließ den Knochen in die Dachrinne fallen.

Unglaublich, dachte sich Gerhard. Er grübelte und ging nach Hause. Was wollte der Rabe mit dem Knochen? Er hatte keine Erklärung. In den folgenden Wochen stieg er immer wieder auf seine Leiter und schaute nach dem Knochen. Der lag einfach da, vollkommen ungestört. Ungestört? Vielleicht hatte der Knochen irgendwas besonderes an sich? Gerhard, begutachtete ihn. Tatsächlich! Der Knochen war viel weicher und zerbrechlicher als es normalerweise Knochen sind.

Nun war ihm alles klar. Die Dachrinne war vermutlich so eine Art Knochen-Vorbereitungsanlage für den Raben. Der Plan ist einfach: Man nehme einen Knochen, der zu fest ist, um ihn mit dem Schnabel zu zerkleinern. Trage ihn in eine Dachrinne. Dort gibt es regelmäßig viel Wasser und niemand kommt heran, um den Knochen zu stehlen. Nach einer 'Garzeit' von mehreren Wochen kann man den Kochen dann problemlos verspeisen.

Darauf muß man erst einmal kommen. Meinen Respekt Herr Rabe!

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